Was ist Effektiver Altruismus?

ProVeg verfolgt die Mission, den globalen Wandel hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem zu bewirken, indem wir pflanzenbasierte Lebensmittel und alternative Proteine verfügbar und attraktiv machen. Um diese Mission mit maximaler Wirkung voranzutreiben, orientieren wir uns an den Prinzipien des Effektiven Altruismus.

Effektiver Altruismus hat das Ziel, die Welt möglichst wirksam zu verbessern – also mit unseren begrenzten Ressourcen wie Zeit, Geld und Fähigkeiten maximal viel Gutes zu tun.

Das Streben nach Effektivität wird oft nur auf ökonomische Ziele angewandt. Dabei geht es gerade im Bereich des Altruismus – bei der Entscheidung, welchen gesellschaftlichen Problemen wir unsere Aufmerksamkeit widmen wollen – um viel: Unsere Welt ist geprägt von enormen Ungleichheiten und dringenden Herausforderungen, die das Leben und das Überleben von Milliarden Menschen und Tieren beeinflussen. Je effektiver wir handeln, desto mehr Leben können wir retten.

Rationales Entscheiden
Wenn es darum geht, einzuschätzen, wo am dringendsten Hilfe benötigt wird, sind unsere subjektiven Empfindungen oft unzureichend: Mitgefühl fällt uns leichter, wenn uns jemand vertraut ist. Das Leid eines Einzelnen berührt uns oft mehr als das von vielen, weil es greifbarer erscheint. Im Effektiven Altruismus handeln wir nicht nach Intuitionen, sondern auf Basis von rationalen Überlegungen und Daten. Es gilt, die größten Stellschrauben zu analysieren, sie mit zielgerichteten Strategien anzugehen und kontinuierlich die Wirksamkeit der eigenen Aktivitäten zu überprüfen. Ziel ist dabei stets, möglichst viel Gutes zu tun.

Welche Probleme gilt es zu lösen? Um diese Entscheidung treffen zu können, orientiert sich der Effektive Altruismus an 3 Kriterien:

  • Größe: Sind besonders viele Individuen in hohem Maße von diesem Problem betroffen?
  • Lösbarkeit: Können wir zur Lösung des Problems nachweislich etwas bewirken?
  • Vernachlässigung: Wird bisher zu wenig unternommen, um das Problem zu lösen?

Der Fokus liegt also auf Problemen, die besonders groß, lösbar und vernachlässigt sind. Dazu zählen Risiken durch Klimakrise, Pandemien, Atomkriege oder künstliche Intelligenz ebenso wie globale Armut und das Leid der sogenannten Nutztiere.

Ein Venn-Diagramm mit drei Kreisen, die mit groß, vernachlässigt und lösbar beschriftet sind und die Prinzipien des effektiven Altruismus veranschaulichen. Das Logo von ProVeg International befindet sich in der unteren rechten Ecke.

Wie hängt Effektiver Altruismus mit ProVeg zusammen?

Größe: Die landwirtschaftliche Tiernutzung verschärft die Klima- und Biodiversitätskrise, trägt zur Entstehung zahlreicher Zivilisationskrankheiten bei und sorgt für milliardenfaches Tierleid

In ihrer aktuellen Form schaden die Produktion und der Konsum unserer Lebensmittel Klima, Natur, Mensch und Tier. Die landwirtschaftliche Tiernutzung ist für bis zu 20 % der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich1, beansprucht etwa 80 % der weltweiten Agrarflächen, liefert jedoch nur 18 % der von uns konsumierten Kalorien2 Ein übermäßiger Konsum von Tierprodukten ist zudem mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Diabetes Typ 2 und bestimmte Krebsformen assoziiert​. Zusätzlich stellt die Massentierhaltung ein Risiko für die Entstehung von antibiotikaresistenten Bakterien und zoonotischen Pandemien dar und verursacht erhebliches körperliches und psychisches Leid für Milliarden fühlender und intelligenter Lebewesen.

Die Transformation des globalen Ernährungssystems durch das sukzessive Ersetzen tierischer Produkte mit pflanzlichen und kultivierten Alternativen kann daher in verschiedensten Bereichen positive Veränderungen bewirken.

5 gute Gründe, ProVeg zu sein

Pro Genuss

Leckeres Essen genießen

Gesundheit

Die eigene Gesundheit verbessern

Gerechtigkeit

Eine fairere Welt schaffen

Tiere

Leid verringern

Umwelt

Unsere Erde schützen

Lösbarkeit: Eine pflanzenbetonte Ernährung ist lecker, gesund und leicht umzusetzen

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Ernährungswende voranzubringen. So braucht es beispielsweise noch viel mehr niedrigschwellige Aufklärung über die Vorteile und die Alltagstauglichkeit einer pflanzenbetonten Ernährung. Zudem ist die Verfügbarkeit von pflanzlichen Alternativen, die sowohl geschmacklich überzeugen als auch preislich attraktiv sind, vielerorts begrenzt – eine massive Hürde, die es Menschen erschwert, ihre Ernährungsgewohnheiten zu ändern.

ProVeg weiß um die komplexen Herausforderungen und strebt einen grundlegenden Systemwandel auf verschiedenen Ebenen an. Wir kooperieren mit Unternehmen, um die Verfügbarkeit alternativer Proteine zu verbessern, fördern die Ernährungsbildung in der Gesellschaft und setzen uns politisch für Rahmenbedingungen ein, die den positiven Wandel des Ernährungssystems begünstigen. So motivieren wir Menschen, sich pflanzenbetont zu ernähren und beseitigen die Hindernisse auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen Ernährungssystem.

Tobias Leenaert

„Wenn wir eine unterstützende Umgebung schaffen, wird das Richtige zum Einfachen – manchmal in einem Ausmaß, dass kaum noch Anstrengung oder Motivation zum Wandel erforderlich ist.” 3

Tobias Leenaert

Mitgründer von ProVeg International

Vernachlässigung: Die Größenordnung der industriellen Tierhaltung ist in vielen Diskussionen ein blinder Fleck

Das Wissen über die vielfältigen Auswirkungen der landwirtschaftlichen Tiernutzung ist oftmals unzureichend, was zur Vernachlässigung dieses Themas beiträgt. Laut Angaben der Forschungs- und Förderstiftung Open Philanthropy verfügt allein das Metropolitan Museum of Art in New York über ein größeres Jahresbudget als die Gesamtheit aller Organisationen weltweit, die sich für sogenannte Nutztiere einsetzen.4 Menschen, die für Tiere spenden möchten, unterstützen größtenteils Tierheime.5 Dabei sind die meisten Tiere woanders zu finden: In Deutschland gibt es für jedes Tier in einem Tierheim etwa 2.000 Tiere in der sogenannten Nutztierhaltung, die jährlich geschlachtet werden.6

Ernährung als essenzielle Stellschraube für die Lösung globaler Herausforderungen

Geleitet von den Prinzipien des Effektiven Altruismus arbeitet ProVeg am Übergang zu einem Ernährungssystem, in dem unser Essen gut für alle Menschen, Tiere und den Planeten ist. Die Herausforderungen durch die landwirtschaftliche Tiernutzung sind groß, lösbar und vernachlässigt – gehen wir sie an!

Wie kannst du aktiv werden?

Um tatsächlich Gutes zu bewirken, müssen aus theoretischen Überlegungen konkrete Handlungen werden. Ein erster Schritt kann die Umstellung der eigenen Ernährung sein, zum Beispiel mit Hilfe der ProVeg-Veggie-Challenge. Aus Sicht des Effektiven Altruismus gibt es darüber hinaus 3 besonders wirkungsvolle Handlungsmöglichkeiten, um mit deinen individuellen Ressourcen zur pflanzlichen Ernährungswende beizutragen.

Welche dieser Handlungsmöglichkeiten am besten zu dir passt, hängt von deinen individuellen Ressourcen und Präferenzen ab. Natürlich kannst du sie auch miteinander kombinieren. Sei dir jedoch bewusst, dass deine Ressourcen begrenzt sind. Wenn du sie gut überlegt einsetzt, kannst du wirkungsvoll die Welt verbessern – und genau darum geht es im Effektiven Altruismus.

Quellen

  1.  Xu, X., P. Sharma, S. Shu, et al. (2021): Global greenhouse gas emissions from animal-based foods are twice those of plant-based foods. Nature Food 2(9), 724–732. Doi:10.1038/s43016-021-00358-x
  2. Poore, J. & T. Nemecek (2018): Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science 360(6392), 987–992. Doi:10.1126/science.aaq0216​​.
  3. Leenaert, T. (2022): Der Weg zur Veganen Welt. Transcript Verlag, Bielefeld, S. 107
  4. Open Philanthropy (2023): A Year of Wins for Farmed Animals. Online unter: https://www.openphilanthropy.org/research/a-year-of-wins-for-farmed-animals/ [10.08.2025]
  5. Animal Charity Evaluators: Why Farmed Animals? Online unter: https://animalcharityevaluators.org/donation-advice/why-farmed-animals/ [10.08.2025]
  6.  Laut Deutschem Tierschutzbund versorgen Tierheime in Deutschland jedes Jahr etwa 390.000 Hunde, Katzen, Vögel und andere Tiere. Auf der anderen Seite werden laut Statistischem Bundesamt jährlich etwa 750 Millionen Tiere in der Nutztierhaltung geschlachtet. Somit gibt es in Deutschland für jedes Tier in einem Tierheim etwa 2.000 Tiere, die für die Schlachtung vorgesehen sind. 

    Statistisches Bundesamt (2024): Geflügelschlachtereien, Geschlachtete Tiere, Schlachtmenge: Deutschland, Jahre, Geflügelart. Online unter: https://www-genesis.destatis.de/ [12.08.2024]

  7. Giving What We Can: How Rich Am I? Online unter: https://www.givingwhatwecan.org/how-rich-am-i [10.08.2025]
  8. Giving What We Can (2021): Can money buy happiness? A review of new data. Online unter: https://www.givingwhatwecan.org/blog/can-money-buy-happiness [10.08.2025]