ProVeg-Branchenanalyse untersucht Maßnahmen und Ziele zur Förderung von Proteinvielfalt

Viel Aktivität bei Maßnahmen, Nachholbedarf bei strategischen Zielen

Balkendiagramm mit Maßnahmen und Zielen zur Förderung des Absatzes pflanzlicher Produkte auf der Konferenz, mit Zahlenangaben für jede Kategorie.
Die ProVeg-Branchenanalyse zeigt eine hohe Frequenz bei operativen Maßnahmen, während öffentlich kommunizierte Zielvorgaben über alle Branchen hinweg selten bleiben. (Bild: ProVeg)

Im Lebensmitteleinzelhandel und im Contract-Catering sind konkrete Zielsetzungen für mehr pflanzlichen Absatz bereits verbreitet. In der Systemgastronomie, in der Lebensmittelproduktion und im Eigenregie-Catering sind strategische Vorgaben öffentlich bislang weniger sichtbar, zeigt eine neue Branchenanalyse von ProVeg. Die Ernährungsorganisation sieht großes Potenzial bei bislang unterschätzten Steuerungsinstrumenten.

Die Analyse richtet den Blick auf das unmittelbare Ernährungsumfeld. Sie untersucht auf Basis öffentlich kommunizierter Unternehmensdaten aus dem Zeitraum Januar 2020 bis Juli 2026 die strategischen Maßnahmen und Ziele von 32 Akteuren aus den Branchen, die unsere Ernährung im Alltag maßgeblich prägen: von der Lebensmittelproduktion über den Einzelhandel bis hin zur Gastronomie, differenziert nach Systemgastronomie sowie Contract- und Eigenregie-Caterern. Das Gesamtergebnis zeigt ein klares Bild: Maßnahmen gibt es viele, konkrete Ziele bisher wenige.

Erfolg braucht Strategie und Ziele

Branchenübergreifend konzentrieren sich die untersuchten Unternehmen vor allem auf Produkt- und Kommunikationsmaßnahmen. Gehen sie strategisch vor, wählen sie überwiegend Ziele für den Sortimentsanteil. Der Sortimentsanteil bestimmt das pflanzliche Angebot. Der Protein Split hingegen erfasst das tatsächliche Verhältnis von pflanzlicher zu tierischer Verkaufsmenge, während Umsatzziele die wirtschaftliche Entwicklung steuern.

Ein Großteil der untersuchten Unternehmen erfasst die eigene Ausgangslage aber noch nicht erkennbar systematisch, berichtet Projektleiterin Debora Schweinsberg. Erst eine gezielte Portfolioanalyse helfe dabei, den Status quo zu bestimmen, Absatzpotenziale aufzudecken, konkrete Ziele zu setzen und passende Maßnahmen datenbasiert zu steuern: „Taktgeber, die gezielt datengestützt vorgehen, sind branchenübergreifende Vorbilder und können viel Dynamik erzeugen.“

Vorreiter aus allen Branchen nutzen bereits messbare Zielgrößen: Im Einzelhandel setzen Lidl und die Rewe Group auf konkrete Vorgaben für den Protein Split, während Aldi Süd ein Ziel für den Sortimentsanteil verfolgt. Im Contract-Catering definieren Apetito Catering, Aramark, Klüh Catering und Sodexo ebenfalls Ziele für den Sortimentsanteil. Die Lebensmittelproduzenten PHW-Gruppe und Premium Food Group beziehen ihre Ziele auf den Umsatz mit pflanzenbasierten Produkten, während Valorain der Systemgastronomie und Audi, DB Gastronomie und Mercedes-Benz im Eigenregie-Catering wiederum Ziele für den Sortimentsanteil formulieren.

Die Schwerpunkte der Branchen

Der Lebensmitteleinzelhandel verbindet in seiner öffentlichen Kommunikation besonders systematisch messbare Ziele, konkrete Maßnahmen und regelmäßige Berichte. Auch die Contract-Caterer setzen im operativen Alltag bereits viele Maßnahmen um. Über messbare Fortschritte berichten sie bisher jedoch selten.

Die Systemgastronomie baut das Angebot ebenfalls aus und schafft mit aufmerksamkeitsstarken Kampagnen viel Sichtbarkeit für pflanzliche Optionen. Allerdings bettet sie die Schritte öffentlich bislang kaum in strategische Ziele ein. Die Lebensmittelproduktionfokussiert sich auf punktuelle Produktinnovationen. Eigenregie-Caterer erweitern zwar ihr pflanzenbasiertes Angebot, integrieren dies öffentlich aber selten in strategische Ziele.

„Pflanzlicher Absatz gehört auf die Managementebene“

Dabei bilden messbare Ziele und regelmäßig erfasste Fortschritte eine belastbare Grundlage für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. „Die Steigerung des pflanzlichen Absatzes gehört auf die Managementebene“, folgert Schweinsberg, „Die Betriebskantine zum Beispiel ist weit mehr als ein reiner Versorgungsbetrieb. Sie sollte fester Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie sein.“

Besonderes Handlungspotenzial bieten Instrumente, über deren Nutzung Unternehmen bislang selten berichten. Hierzu zählen die Preisgestaltung ebenso wie Mitarbeiterschulungen und die Platzierung pflanzlicher Angebote im Regal und auf dem Menü.

Steuerung statt Schema F

Lidl zeigt im Filialnetz, wie sich Preisgestaltung und Platzierung strategisch einbetten und steuern lassen. Der Einzelhändler kommuniziert diesen Ansatz als einziges der untersuchten Unternehmen und berichtet im Nachhaltigkeitsbericht und auf eigenen Landingpages über die Fortschritte. 1


Bildmaterial

Balkendiagramm mit Maßnahmen und Zielen zur Förderung des Absatzes.
Die ProVeg-Branchenanalyse zeigt eine hohe Frequenz bei operativen Maßnahmen, während öffentlich kommunizierte Zielvorgaben über alle Branchen hinweg selten bleiben. (Bild: ProVeg)
Balkendiagramm mit dem Titel Maßnahmen zur Förderung des Absatzes pflanzlicher Produkte aus der Konferenz, das folgende Zahlen angibt: Produkt (28), Kommunikation (21), Engagement (12), Preis (3), Platzierung (2) und Schulungen (1).
Produkt- und Menülinien und Kommunikationsaktivitäten sind die häufigsten Maßnahmen zur Förderung pflanzlicher Absätze. Instrumente wie Preisgestaltung und Platzierung nutzen Unternehmen noch wenig, ergab die ProVeg-Branchenanalyse. (Bild: ProVeg)
Balkendiagramm mit dem Titel Ziele zur Förderung pflanzlicher Absätze aus der Konferenz, das die Werte 9 für Sortiment, 2 für Protein Split und 2 für Umsatz zeigt.
Setzen die untersuchten Akteure auf zielorientierte Steuerung, dann definieren sie überwiegend Ziele für den pflanzlichen Angebots- und Sortimentsanteil. Vorgaben zu Protein Split und Umsatz bilden laut der ProVeg-Branchenanalyse die Ausnahme. (Bild: ProVeg)
Tabelle mit den Einzelhandelsstrategien von Lebensmittelketten wie Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto und Rewe, wie sie im Rahmen einer Konferenz analysiert wurden.
Vorreiter: Der Lebensmitteleinzelhandel kombiniert im Vergleich am stärksten konkrete Maßnahmen mit messbaren Zielgrößen für pflanzliche Absätze. (Bild: ProVeg)
Tabelle zum Vergleich von sechs Catering-Unternehmen und deren strategischen Maßnahmen für eine Konferenz, wobei das Vorhandensein bestimmter Aktivitäten durch Punkte gekennzeichnet ist.
Operative Aktivität: Contract-Caterer setzen viele Maßnahmen um, veröffentlichen messbare Fortschritte jedoch noch selten. (Bild: ProVeg)
Tabelle mit Strategien für die Systemgastronomie von Unternehmen wie Burger King, McDonald’s und L’Osteria, die im Rahmen einer Konferenz vorgestellt wurde.
Sichtbarkeit ohne Ziele: Die Systemgastronomie schafft mit Angeboten und Kampagnen viel Aufmerksamkeit, bindet diese aber kaum in systematische Zielsetzungen ein. (Bild: ProVeg)
Auf einer Konferenz vorgestellte Grafik, die die Strategien zur Lebensmittelproduktion von sieben Unternehmen anhand verschiedener Kennzahlen und Ziele darstellt, wobei grüne Punkte die Präsenz der Unternehmen kennzeichnen.
Produkte im Fokus: In der Lebensmittelproduktion überwiegen punktuelle Produktinnovationen, statt das Potenzial in den Kernsortimenten strategisch zu steuern. (Bild: ProVeg)
Tabelle mit einer detaillierten Übersicht über die Selbstversorgungsstrategien von sechs Unternehmen, wie sie auf der Konferenz vorgestellt wurden, mit Angaben zu den umgesetzten Maßnahmen und Zielen.
Nachholbedarf: Derzeit veröffentlichen Unternehmen in der Eigenregie-Gastronomie kaum konkrete Maßnahmen und Ziele zur Förderung pflanzlicher Optionen. (Bild: ProVeg)

Quellen

  1. Lidl in Deutschland (2026): Lidl CSR-Strategie – Verantwortung leben. Online unter: https://info.lidl/unsere-verantwortung

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