11 NGOs fordern konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Tierbestände im Koalitionsvertrag

ProVeg und 10 Mitunterzeichner wenden sich heute mit einem offenen Brief an SPD, Grüne und FDP. Ihr Ziel ist eine deutliche Reduzierung der Tierbestände, um die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten. Dazu müssen die Parteien konkrete Maßnahmen im Koalitionsvertrag verankern. Die NGOs machen Vorschläge.
Berlin. In einem offenen Brief an die verhandelnden Ampel-Parteien drängen ProVeg, Greenpeace, Vier Pfoten und 8 weitere Organisationen auf konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Tierbestände im Koalitionsvertrag. Nur so kann Deutschland bis 2045 klimaneutral werden, betonen die Unterzeichner. Der Brief richtet sich an die Verhandlungsführer für Landwirtschaft und Ernährung Dr. Till Backhaus (SPD), Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) und Carina Konrad (FDP). Er weist auf die besondere Verantwortung Deutschlands als einem Hauptverursacherland der Klimakrise hin.1 Laut einem aktuellen UNEP-Report müssen die Staaten ihre Klimaschutzbemühungen versiebenfachen, wollen sie das 1,5-Grad-Ziel noch einhalten.2 Derzeit gehen drei Viertel der landwirtschaftlichen Emissionen in Deutschland auf die Tierhaltung zurück, ein Großteil davon sind Methan-Emissionen.3 Aufgrund seiner starken Wirkung und kurzen Verweildauer in der Atmosphäre gilt eine Reduktion des Treibhausgases Methan als besonders einfache, schnelle und kostengünstige Maßnahme zum Schutz des Klimas.4 Die Unterzeichner führen in einem Forderungskatalog 9 geeignete Schritte auf, um die Tierbestände effektiv zu reduzieren. Dazu zählen eine Streichung von Subventionen für die Intensivtierhaltung, Prämien und Umschulungen für ausstiegswillige Tierhalter und eine Senkung der Mehrwertsteuer für pflanzliche Produkte. Die Schritte zielen damit gleichermaßen auf ein verändertes Konsumverhalten und den klimafreundlichen Umbau der Landwirtschaft. „Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch Bäuerinnen und Bauern brauchen zweierlei: eine zielgerichtete Unterstützung und klare Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Ernährung“, erklärt Matthias Rohra, Geschäftsführer von ProVeg. „Beides müssen die Koalitionspartner jetzt liefern, indem sie sich dem notwendigen Abbau der Tierbestände ohne Wenn und Aber verschreiben. Nur die Förderung zukunftsfähiger Alternativen schafft Perspektiven und sichert den Innovationsstandort Deutschland.“ Die Forderungen der NGOs stützen sich auch auf eine kürzlich veröffentlichte Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace zur Wirkung von Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft.5 Die Studie zeigt, dass die Klimaziele im Sektor nicht allein mit innovativer Technik und verbessertem Management zu erreichen sind. So darf die Landwirtschaft 2045 nur noch 35 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausstoßen. Ohne einen Abbau des Tierbestands würden jedoch schon 37 Millionen Tonnen auf die Tierhaltung entfallen.

Zum offenen Brief

  Quellen 1 Carbon Brief (2021): Analysis: Which countries are historically responsible for climate change? Online unter: https://www.carbonbrief.org/analysis-which-countries-are-historically-responsible-for-climate-change [02.11.2021] 2 United Nations Environment Programme (2021): Emissions gap report 2021: the heat is on – a world of climate promises not yet delivered. Nairobi. Online unter: https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2021 [02.11.2021] 3 Greenpeace (2021): Landwirtschaft auf dem Weg zum Klimaziel. Maßnahmen für Klimaneutralität bis 2045. Online unter: https://www.greenpeace.de/presse/publikationen/landwirtschaft-auf-dem-weg-zum-klimaziel [02.11.2021] 4 McKinsey & Company (2021): Curbing methane emissions: How five industries can counter a major climate threat. Online unter: https://www.mckinsey.com/business-functions/sustainability/our-insights/curbing-methane-emissions-how-five-industries-can-counter-a-major-climate-threat [02.11.2021] 5 Greenpeace (2021): Landwirtschaft auf dem Weg zum Klimaziel. Maßnahmen für Klimaneutralität bis 2045. Online unter: https://www.greenpeace.de/presse/publikationen/landwirtschaft-auf-dem-weg-zum-klimaziel [02.11.2021]
Kontakt Lena Renz PR-Managerin ProVeg [email protected] +49 176 177 858 52

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