Neuer EU-Proteinplan vorgestellt

ProVeg kommentiert: Zu viel Trog, kaum Teller

Die Europäische Kommission hat gestern ihren Aktionsplan für ein widerstandsfähiges, unabhängiges und nachhaltiges Proteinsystem in der Europäischen Union (EU) veröffentlicht.1 Das Dokument enthält jedoch nur ein einziges quantifizierbares und terminiertes Ziel: Der Anteil von Eiweiß aus Ölsaaten und Eiweißpflanzen an Futtermitteln aus der EU soll von 25,8 Prozent im Jahr 2025 auf 35 Prozent bis zum Jahr 2035 steigen. Damit beschränkt sich der Plan auf eine Kennzahl für Futtermittel. Konkrete Ziele für pflanzliche Lebensmittel zum menschlichen Verzehr lässt er vermissen.

Dr. Nina Wolff, Leitung Politik bei der Ernährungsorganisation ProVeg, kommentiert:

„Der EU-Proteinplan ist ein Schritt in die richtige Richtung, um Europas Abhängigkeit bei der Eiweißversorgung zu verringern. Allerdings greift der Plan der Kommission zu kurz: Wertvolle Proteinpflanzen wie Erbsen, Ackerbohnen oder Lupinen sollten nicht nur an Tiere verfüttert werden, sondern auch der menschlichen Ernährung zugutekommen. Teller und Trog sollte hier die Devise sein. Die Fixierung auf Futtermittel verkennt das Potenzial, den ein Ausbau der Proteinvielfalt für Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Handel, Verbraucher und den Klimaschutz bietet. Denn es ist viel effizienter, wenn pflanzliche Proteine direkt dem menschlichen Verzehr dienen statt über den Umweg der Verfütterung an Tiere. Je nach Tierart werden für eine Kalorie Fleisch zwischen 10 und 30 Kalorien aus Futterpflanzen benötigt. In Zeiten geopolitischer Instabilität ist die einseitige Fokussierung auf tierische Proteinquellen riskant und untergräbt die angestrebte strategische Autonomie der EU.

Im EU-Proteinplan finden sich einige positive Ansätze, allerdings größtenteils in freiwilliger Form. Die eigentliche Arbeit wird eher in Folgepapieren sowie nationalen Proteinplänen als in diesem Konzept selbst stattfinden. Für Deutschland bedeutet dies, dass das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat kurzfristig einen eigenen Aktionsplan für den Markthochlauf alternativer Proteine entwickeln sollte. Dieser sollte verbindlich festschreiben, welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Entwicklung und Markteinführung alternativer Proteine aktiv zu fördern und die im Klimaschutzprogramm 2026 dargelegten Reduktionsziele zu erreichen. Der Ausbau der Proteinvielfalt bietet gerade in Deutschland große Chancen für Zukunftsbranchen, die innovative Technologien, heimische Rohstoffe und Deutschlands industrielle Wettbewerbsfähigkeit besonders erfolgreich verbinden. Die Bundesregierung ist gut beraten, die Chance auf eine Vorreiterrolle im Proteinsektor klug und umsichtig zu nutzen.”


 

Hinweis (08.07.2026): In der früheren Version dieses Statements war vom „vorliegenden Entwurf“ des EU-Proteinplans die Rede. Dies ist nun korrigiert.

Quellen

  1. Europäische Kommission (2026): Why reduce the EU’s dependency on imported plant-based protein?, veröffentlicht am 07.07.2026. Online unter: https://agriculture.ec.europa.eu/farming/crop-productions-and-plant-based-products/cereals/reducing-plant-protein-deficit-eu_en#protein-action-plan

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